You Only Die Twice – Der Mann, der zweimal starb

Filmreihe zur Ausstellung im Stadtmuseum Dornbirn

„Tatsachen. Das materielle Erbe des Nationalsozialismus“

Mehr als 85 Jahre nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland und bald acht Jahrzehnte nach dem Ende des NS-Regimes stellt sich weiterhin die Frage, wie wir mit den Hinterlassenschaften und Überresten dieser Zeit angemessen umgehen sollen. Diese Tatsachen finden sich im Stadtbild und in Sammlungen, aber viel häufiger noch in privatem Besitz – in Kellern, auf Dachböden und in Schränken.

Die Frage nach dem Umgang betrifft nicht nur öffentliche Einrichtungen wie das Stadtmuseum, sondern auch zahlreiche Privatpersonen und Familien. Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg und Holocaust sind für viele Menschen in Österreich Teil ihrer Familiengeschichte. Doch während das formelle Wissen um die NS-Zeit stetig wächst, verblasst die innerfamiliäre Überlieferung zunehmend.

Die Filmreihe lenkt den Blick ausgehend von materiellen Erbschaften hin in die emotionalen Tiefen und Untiefen von familiären, und persönlichen Erinnerungs- und Bewältigungsversuchen. Nachfolgende Täter- wie Opfergenerationen müssen ihren je eigenen Umgang mit der NS-Vergangenheit finden.

You Only Die Twice – Der Mann, der zweimal starb

Israel / Deutschland / Österreich 2018, 92 min, mehrsprachige O.m.U. | Yair Lev | Dokumentarfilm

Ein jüdischer Alpen-Krimi rund um den ehemaligen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde von Tirol, Ernst Beschinsky. Ein Mann dieses Namens stirbt zweimal – einmal 1969 in Israel und ein zweites Mal 1987 in Innsbruck. Niemand bemerkt das zunächst. Erst als 2010 eine Verwandte in London ein Haus vererbt, kommt in Israel wie in Innsbruck die Frage auf: Wer war Ernst Beschinsky wirklich?

Der Enkel des "echten" Beschinsky, der israelische Dokumentarfilmer Yair Lev, macht sich auf den Weg, um herauszufinden, wer die Identität seines Großvaters geklont hat. Er fährt mit Produzent und Kameramann David Deri los und recherchiert – mit völlig offenem Ausgang – zunächst in Wien und Innsbruck. Hier trifft er Verwandte der "anderen Seite", und es entspinnt sich ein spannender Plot, in dem prominente Tiroler Nazi-Familien genauso eine Rolle spielen wie deren unerwartete Hilfe bei der Rettung des Innsbrucker Präsidenten Beschinsky über die NS-Zeit. In der hiesigen Kultusgemeinde befürchtet man noch lange einen Skandal. Aber dann tauchen Briefe in Deutschland und Amerika auf und erzählen schließlich die starke Liebesgeschichte zwischen Ernst und Ilse, von der die kleineren und größeren Irreführungen der Behörden in Wien, Prag, Zürich, Zagreb und Tel Aviv überstrahlt werden. Die Enkelgeneration der beiden Beschinskys findet 80 Jahre nach dem Krieg zu einer versöhnlichen gemeinsamen Sicht auf die Ereignisse.

"Der Regisseur begibt sich auf intensive Spurensuche, indem er wie ein Detektiv Schritt für Schritt die verzweigte Wahrheit ans Licht bringt. Neben der unglaublichen Aufdeckung eines kriminalistischen Falles handelt der Film von den Nachfolge-Generationen der Holocaust-Überlebenden und den deutschsprachigen Nazi-Nachfahren und deren Verhältnis heute." (Bayrisches Fernsehen)

"Spannend erzählter Doku-Krimi, der das Allgemeingültige an der persönlichen Geschichte einfühlsam herausarbeitet und sich sanft für den Abbau von Berührungsängsten ausspricht." (filmdienst.de)

In Kooperation mit dem Stadtmuseum Dornbirn und dem Jüdischen Museum Hohenems  

 

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