Sommerquartier: Clemens Haipl - Unterhaltung mit Haltung

„Unterhaltung mit Haltung“ FM4 und Projekt X Gründungsmitglied Clemens Haipl findet, dass 30 Jahre Bühnenpräsenz gerade genug Vorlauf für das erste Soloprogramm sind.

Hier nun Clemens im O-Ton (Gespräch mit Marco Weise für den KURIER).

Dein erstes Soloprogramm hat den Titel „Unterhaltung mit Haltung“. Wie geht Unterhaltung mit Haltung?

„Unterhaltung mit Haltung“ ist ja ein sagenhaft überstrapaziertes Klischee aus dem Kulturjournalismus (ähnlich wie „dem Publikum einen Spiegel vorhalten“, „Lachen bleibt im Halse stecken“, etc). Haltung ist, wenn man sie hat und nicht heraushängen lässt. Haltung ist, Geld an die Caritas spenden und dann den Erlagschein nicht auf Facebook posten.

Was ist der Inhalt Ihres Programms?

Es geht um eine grantelnden Wiener Anfang 50. Soll heißen: Ich spiele mich selbst. Es geht um die Tatsache, dass die Welt zu 99,9 Prozent aus Energie besteht, was zum Beispiel erklärt, warum im Supermarkt keine zweite Kassa aufgesperrt wird. Es geht um dem Alltag, um Philosophie, den Versuch, das Leben zu erklären - im Wissen, dass das ja gar nicht geht. Normalerweise testet man sein Programm, den Inhalt, die Witze bei Vorpremieren am Publikum aus.

Da auch das nicht möglich ist/war, ist das ganze ein ziemlicher Blindflug, oder?

Ja. Und deshalb habe ich im Lockdown immer wieder Videos gepostet, da merkt man schon, was ankommt. Ich bin aber auch etwas stur, und mache oft auch nur das, was ich interessant finde. Und nicht zwingend das, was am meisten Zuspruch bekommt.

Wer stand dir beratend zur Seite, an welchen Personen hast du deine Pointen getestet?

Die Einflüsse des Programms reichen von Altertumsdokus über bayrisches Kabarett, Kochvideos bis hin zu Quantenphysik. Ratgeber und Versuchskaninchen sind meine Freunde. Ich kommuniziere ja mit Menschen, und da spüre ich, was mich berührt. Meine Haltung ist - wenn man so will - Florett und nicht Bihänder. Und: es heisst ja „Kleinkunst“, nicht „Kleinpointen“.