Hans Platzgumer - CONVERTIBLE : LOVE

Ort und Zeit
  • Do, 29. Dez 2016, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: VVK 12,- (zzgl.VVK-Gebühren) | AK 15,-
  • Großer Saal
  • Konzert

CONVERTIBLE : LOVE

7“ Vinyl Single / digital – Konkord 095, VÖ 25. 11. 2016

Musik muss in erster Linie eine sinnliche Erfahrung sein. Sie muss atmen. Die große Kraft der Musik ist das Irrationale. Wenn sie mich körperlich nicht erreicht, mich nicht berührt, nicht durchfährt, wird sie austauschbar, beliebig.

Beliebig ist bei Hans Platzgumer gar nichts. Ob als Musiker oder als Schriftsteller, seit Jahrzehnten lädt er uns auf Reisen ins Überraschende ein. Mit 17 erfand er den lo-fi Indie-Sound und blickte mit seiner ‚Tod der CD!’-LP in die Zukunft. Später in den USA leistete er mit ‚HP Zinker’ Pionierarbeit in Sachen Grunge-Rock, seit Mitte der 90er Jahre erkundet er mit elektronischen Musiken, beispielsweise Soundtrack (Konkord 035, 2008), immer neue und unverwechselbare Klanglandschaften. Als Convertible, meist unplugged agierend, veröffentlicht er seit über zehn Jahren filigrane, von Schwermut und zeitloser Schönheit getragene Songs. Und mit seiner konzeptionell letzten CD-Veröffentlichung Miniaturen (Konkord 086, 2015) erschuf er einen Mikrokosmos minimalistischer „Kammermusik“. Wie über die Protagonisten seiner viel beachteten Romane lotet Hans Platzgumer auch in seiner Musik Grenzbereiche aus. Er ist ein neugieriger, ein leidenschaftlicher, ein kompromissloser Künstler.

Seine neuester Release Love ist eine neuerliche Grenzerfahrung, eine besonders intensive. Jack Barschi, ein New Yorker Autor und Freund von Hans Platzgumer, starb 2014 nach langer Krebserkrankung. Bis zum Schluss hatte er das Kämpfen nicht aufgegeben und das Leben dank all seiner kleinen und großen Wunder, allen voran die Liebe, als lebenswert empfunden. Sein kurz vor dem Tod verfasster Text It Ain't Over Yet erzählt eindrücklich und berührend wie kaum ein anderes Werk von diesem Ringen, das von ungebrochenem Lebenswillen zeugt. Hans Platzgumer hat Barschis Ballade mit energiegeladenem Verve und einem frischen Sound vertont, der an den jungen Bob Dylan (der wie Barschi im Greenwich Village beheimatet war) erinnert. „It ain’t over yet as long as I hear that rhythm“, diese Hymne füllt die eine, die New Yorker Seite von Love. Prettiest Blue und Unaimed Arrow gestalten die andere. Hierfür hat Hans Platzgumer mit Texten seiner langjährigen Bostoner Weggefährtin Hannah MacKenna gearbeitet und der Großartigkeit der Liebe zwei weitere Denkmäler gesetzt. Der dunklen Melancholie von Prettiest Blue („I don’t have the paddles, I don’t have the boat“) folgt die luftig swingende Gelassenheit von Unaimed Arrow (der ungezielte Pfeil verfehlt ja bekanntlich nie sein Ziel). Es sind zeitlose Songs, die nur mit Piano, Gitarre und sparsamster Percussion auf den Plattenteller getupft, gerade aufgrund ihrer Reduktion so lange wirken. Zehn Minuten, drei Stücke, länger braucht diese EP nicht, um alles zu erzählen über das, was uns am Leben hält und selbst über unseren Tod hinaus strahlt: Love.

Support: Alfred Goubran

Courage und Kompromisslosigkeit. Ein Songwriter, „der in dieser Welt nicht zu Hause ist, der sich nach einer anderen sehnt, die verschüttet liegt unter dem alltäglichen Theater, den Ideologien und Masken.“ (Rolling Stone) Diese Charakterisierung des Songwriters Alfred Goubran korrespondiert auch mit seinem literarischen Schaffen, über das etwa der Kurier bemerkt „Fans rufen seit Langem, dieser Autor neige zu Genialität. Das ist nur wenig übertrieben, wenn man sieht, wie in seinem Buch „Durch die Zeit in meinem Zimmer“ die Reisen verschmelzen.“

In der österreichischen Literatur- und Musikszene ist Goubran ein Solitär, ein Sonderfall, der von vielen wegen seiner Unbeirrbarkeit und Qualität geschätzt wird.

2014 startete er das Musikprojekt [goubran], das mit der nun vorliegenden Compilation Schiffe aus Schnee seinen vorläufigen Abschluß findet (andere Projekte sind in Planung). Schiffe aus Schnee ist eine feine Auswahl aus den bisher veröffentlichten Releases: „Puristische Gitarren, verspieltes Banjo, Melodika, entrückter Gesang. Produziert von Oliver Welter. Enough said?“, so profil über Die Glut (Lindo Records). Über die musikalisch tiefer im muddy Blues angelegte CD Irrlicht (Konkord) schreibt das Wiener Wochenmagazin Falter: „Blues trifft Prog trifft Rock, mal aufwühlend und intensiv, dann wieder von getragener Schönheit, dabei stets stimmungsvoll in Szene gesetzt.“ Wie wir von Konkord bei der Release von Irrlicht schon gemeint haben: Die Songs sind kein Soundtrack fürs Candlelight-Dinner und Alfred Goubran ist kein Mann fürs gefällige Honig ums Maul schmieren.

Mit Schiffe aus Schnee wagen wir uns aus den sicheren Häfen hinaus, setzen die Segel, lichten die Anker. Und landen wir auch schiffbrüchig auf einer Insel: Mit diesen Songs auf den Lippen und diesen Texten im Ohr haben wir keine Angst. Schon gar nicht vor Piraten …