Neue Spielräume – 100 Jahre Leugnung und Verdrängung

Ort und Zeit
  • Di, 15. Dez 2015, ab 19.30 Uhr
  • Eintritt: VVK 6,– (zzgl. VVK-Gebühr) / AK 7,–
  • Großer Saal
  • Gespräch, Vortrag

Vortragender: Thomas Schmidinger

1915 begann die systematische Vertreibung und Vernichtung der ArmenierInnen und AssyrerInnen des Osmanischen Reiches durch die damalige jungtürkische Regierung. Organisiert vom Osmanischen Reich und exekutiert von türkischen Truppen, aber auch lokalen kurdischen Akteuren, wird dieser Genozid bis heute von der offiziellen Türkei geleugnet. Die Nachkommen der Überlebenden fanden teilweise in Syrien und im Irak eine neue Heimat, wo sie 100 Jahre später erneut Massaker und Vertreibungen ausgesetzt sind. Viele Angehörige der armenischen und assyrischen Gemeinden des Irak und Syriens sehen in den Angriffen durch den so genannten "Islamischen Staat" eine Fortsetzung der Verfolgung vor hundert Jahren. Die Anerkennung des Genozids durch eine gemeinsame Erklärung der Clubobleute aller österreichischer Parlamentsparteien hat im Frühling 2015 zu massiven diplomatischen Verstimmungen mit der Türkei geführt. Türkische Verbände mobilisierten in Wien zu einer Großdemonstration gegen die Anerkennung. In Dornbirn hielten türkische Rechtsextremisten vor einer Kirche eine Kundgebung gegen einen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Genozids ab. Der Politikwissenschafter Thomas Schmidinger hat die verbliebenen armenischen und assyrischen Gemeinden im Irak, in Syrien und in der Türkei bereist, stellt mit diese mit umfangreichem Bildmaterial vor und gibt Einblicke in die Nachwirkungen des Genozids nach 100 Jahren.

Thomas Schmidinger ist Politikwissenschafter und Sozial- und Kulturanthropologe. 2010/2011 und 2012 war er als Research Fellow an der University of Minnesota und an der Universität Prishtina. Seither unterrichtet er wieder an der Universität Wien und der FH Vorarlberg. Er ist Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft zur Förderung der Kurdologie und erhielt 2015 in Qamishli den Mezlum Bagok Preis für sein Buch "Krieg und Revolution in Syrisch-Kurdistan". Das von ihm und Moussa al-Hassan Diaw gegründete Netzwerk Sozialer Zusammenhalt ist seit 2014 in der Jihadismus-Prävention und Deradikalisierung tätig.