Norbert Schneider & Band

Ort und Zeit
  • Sa, 20. Dez 2014, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: VVK 13,– (zzgl. VVK-Gebühr) / AK 16,–
  • Großer Saal
  • Konzert

Der 2014 mit dem Amadeus Award ausgezeichnete Norbert Schneider lässt sich auf das Wienerische ein. Hatte er bislang seine Songs allesamt englisch gesungen und ähnelte in seiner Lässigkeit dem Schaffen des niederländischen Bluesmannes Hans Theessink, singt er jetzt auf einmal – deutsch. Oder besser: österreichisch. Stimmlich intensiv über drei Oktaven interpretiert er Georg Danzer, Horst Chmela, Karl Hodina. Weckt Gedanken an Falco und Ludwig Hirsch. Ohne in Klang und Form seiner Eigenkompositionen an diese zu erinnern. Eigenwillig wunderbar!

Und plötzlich muss es Rotwein sein. Bei Norbert Schneiders letztem Album „Medicate My Blues Away“ ging man noch wie ferngesteuert gleich an den Kühlschrank, Bier holen, jetzt also: in den Keller. Lieber gleich nach den besseren Tropfen suchen, könnte ein langer Abend werden. Und ein herrlich unberechenbarer. Denn dieser Schneider, dessen bislang fünf in wechselnden Besetzungen eingespielten Alben dem Blues zuzurechnen waren, klingt plötzlich ganz anders. Hatte er bislang seine Songs allesamt englisch gesungen und ähnelte in seiner Lässigkeit dem Schaffen des erstaunlicherweise niederländischen Bluesmannes Hans Theessink, singt er jetzt auf einmal – deutsch. Oder besser: österreichisch.

Womit sich Schneider nicht nur ein paar Meter abseits bislang beschrittener Pfade, sondern eher wie auf Expedition in einen für ihn vorher unbekannten Kontinent bewegt. Seine Stimme wird intensiver und variabler, die Instrumentierung löst sich aus den Mustern des traditionellen Blues, Schneider watet auch verbal plötzlich knietief im Heimatlichen. In seinen Anmerkungen zum neuen Album „Schau ma mal“ spielt Österreichs ewiger Popstar Falco eine erstaunlich tragende Rolle, zudem singt Schneider Songs von Georg Danzer („Ollas Leiwaund“), Horst Chmela („Wia a Schlafwandler“, „Ana hat immer des Bummerl“) und Karl Hodina („Mir hams mein Schrebergarten gnommen“). „Ich habe mir das jahrelang“, sagt Schneider, „ohne es zu probieren, immer sperrig vorgestellt – ein Lied in Deutsch zu singen, geschweige denn es zu schreiben. Vielleicht hatte ich die wortschwangeren Texte, die Anfang der 00er Jahre so populär waren, immer in den Ohren. Mich sprechen auch bei englischen Texten die am meisten an, die mit einfachen Worten die große Welt beschreiben und nicht umgekehrt“. Wie auf seinem neuen Album jetzt die deutschen, ließe sich hinzufügen. Keines dieser Lieder erinnert zwar in Klang und Form an Ludwig Hirsch, zuweilen allerdings fühlt sich der Hörer doch an eben diesen leider verstorbenen Wiener erinnert. Ein seltsames, leicht verstörendes und gerade deshalb wunderbares Gefühl.

Ausgezeichnet mit dem Amadeus Award 2014 in der Kategorie Jazz/World/Blues.

Foto © Rainhardt Albrecht-Herz

www.norbertschneider-music.com

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