Renn, wenn du kannst

Ort und Zeit
  • Do, 25. Sep 2014, ab 19.00 Uhr
  • Eintritt: 8,-/5,-
  • Kinosaal
  • Film

In Kooperation mit der Lebenshilfe Vorarlberg

Regie: Dietrich Brüggemann, D 2010, 116 min, dt. OF

Spielfreudige Dreiecksgeschichte zwischen einem Rollstuhlfahrer, seinem Zivi und einer umtriebigen Studentin.

Ben ist seit seinem Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Seine innere Wut über sein Schicksal hat ihn zynisch werden lassen. Das bekommen seine Zivis zu spüren. Christian, sein Neuer, nimmt es gelassen, er setzt Ben Grenzen. Die Begegnung auf Augenhöhe ist der Beginn einer Freundschaft, die trotz Höhen und Tiefen hält. Die Dritte im Bunde wird Annika, sie studiert Musik und muss ihre Angst vor Solo-Spielen bei öffentlichen Auftritten überwinden. Ansonsten ist sie ein Mädchen zum Verlieben, lebendig und offen für Bens Art, mit Problemen umzugehen. Die drei werden Freunde und es geht bald um mehr. Annika fühlt sich zu beiden hingezogen. Beinahe hätte diese intensive Dreiecksgeschichte für alle dramatisch ausgehen können. Am Ende sitzen sie aber zu dritt ganz entspannt auf der Hollywoodschaukel von Bens Balkon und betrachten die Wellen des Meeres.

Obwohl Bens Behinderung und die Folgen in aller Deutlichkeit im Mittelpunkt stehen, ist dies kein Film, der mit anklagendem Tonfall die Bürde von Betroffenen aufzeigt. Wohl aber ein Film, der offen und selbstverständlich von Bens Schwierigkeiten erzählt, zeigt wie Ben offen und manchmal verletzend damit umgeht. Bens Zynismus und seine Arroganz sind Schutzmechanismen und es ist gut, dass uns dies so deutlich gezeigt wird. Bewundernswert die Direktheit in der Sprache und den Aktionen, die das Drehbuch entwickelt hat. Es wird sich nicht um Probleme gedrückt. Offen kann Ben seine sexuellen Schwierigkeiten gegenüber Annika formulieren und auch ihre Reaktion ist offen und ehrlich, so dass nichts peinlich und gewollt wirkt. Das ist nicht selbstverständlich. Das gelingt durch die hohe Professionalität der jungen Darsteller und ihre starke Präsenz. Hervorzuheben ist auch die sehr gute Kameraarbeit, die den Darstellern Zeit und Raum lässt. Handwerklich ist das Drehbuch in seinem dramaturgischen Aufbau beeindruckend. Bei aller Erwartbarkeit überrascht es durch neue Wendungen und Ideen, die die Geschichte trotz einiger fantastischer Elemente immer nachvollziehbar miterleben lässt. Ein überaus empfehlenswerter Film.

Auszeichungen:
Festival des deutschen Films 2010: Publikumspreis für den Film sowie Filmkunstpreis für Hauptdarsteller Robert Gwisdek
Filmfest Emden-Norderney 2010: NDR Filmpreis für den Nachwuchs an Dietrich Brüggemann
Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2010: Nachwuchsförderpreis der DEFA-Stiftung und CineStar Award

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