Giorgio Conte

Ort und Zeit
  • Do, 26. Mai 2011, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 19,-/16,-

Große Brüder werfen lange Schatten! Aber im Fall des Giorgio Conte, im Hinblick auf seinen Bruder Paolo, lassen sich Parallelen nicht verleugnen. Hat doch Giorgio Conte allein durch sein Songwriting viel zum Erfolg seines Bruders Paolo beigetragen. Seine Wurzeln liegen im Jazz der Fünfziger Jahre, als auch in der französischen Musik jener Zeit. Offenen Ohres nimmt man seine Zusammenarbeit mit Künstlern wie Francesco Baccini oder Rossana Casale zur Kenntnis, und bei seinen spektakulären Auftritten begeistern seine schillernde Bühnenpräsenz und sein unkonventioneller Stil. Plötzlich wird die große Musikalität seiner Lieder erkannt und die subtile Ironie seiner Texte verstanden. Giorgio Conte zündet ein originelles Feuerwerk seines universalen Sounds, der volkstümliche Einflüsse mit "Rive Gauche", Swing und "Canzoni d'autare" vereint. Ein Stimmungsbild, welches zum Träumen an den bevorstehenden Urlaub einlädt.

Kritik: In einer Mischung aus Melancholie und abgeklärter Heiterkeit kreisen die Lieder Giorgio Contes um Liebe... und betten sie ein in die Atmosphäre einer vergangenen Zeit. Die musikalischen Wurzeln des Chansonniers, der in Italien schon längst aus dem Schatten seines älteren Bruders Paolo herausgetreten ist, liegen im Jazz und im französischen Chanson der späten Fünfziger. "L`ambasciatore dei sogni", Botschafter der Träume, war der Chansonabend überschrieben. Poetisch und ironisch zugleich klang das Lied von jenem Jacques, der so viel Knoblauch vertilgte, dass seine Umgebung auf Abstand zu ihm ging und sogar die eigene Frau ein anderes Schlafgemach bezog.

Canzone ohne Klischees

Giorgio Conte will mehr als nur der kleine Bruder von Paolo sein „Meistens werde ich bei Interviews nur benutzt, damit die Journalisten mehr über meinen Bruder Paolo erfahren“, sagt der Sänger Giorgio Conte wenige Stunden vor seinem Auftritt beim Bardentreffen. Der Jüngere der beiden Brüder war gestern das erste Mal in Nürnberg zu Gast.

Dass er zumindest in Deutschland den Popularitätsvergleich gegen Paolo verliert – in Italien sind die Brüder etwa gleich bekannt und beliebt – stört Giorgio Conte allerdings überhaupt nicht: „Wer mich im Konzert erlebt, erkennt schnell, dass ich eine eigenständige Musikerpersönlichkeit bin und anders klinge, als Paolo.“

Auf die Frage nach seinen musikalischen Vorbildern läßt Giorgio ein tiefes, gelangweiltes Stöhnen hören, ehe er antwortet: „Mir gefällt vor allem das französische Chanson. Wegen seiner sehr engen Beziehung zwischen Musik und Text. Wenn ich eine starke Melodie habe, setze ich bewusst einfache Worte dazu. Manchmal reicht ein wichtiger Ausdruck, aus dem dann ein unwiderstehlicher Refrain wird.“

Giorgio Conte, aus dessen Feder Hits wie „Deborah“ für Fausto Leani und Wilson Pickett stammen, mag „Lieder, die Geschichten erzählen“. „Oft habe ich erst einen Film im Kopf, aus dem dann ein Canzone wird“, erklärt der Musiker, der vor vielen Jahren Schlagzeuger in einer Modern-Jazz-Combo war, in der Paolo Vibrafon spielte.

Außerdem gehört Giorgo Contes Faible starken Stimmen wie denen von Zarah Leander oder Marlene Dietrich und den Songs von Kurt Weill – der theatralischen Ausstrahlung wegen.

Bei seinen eigenen Arbeiten legt er stets Wert auf „eine unverwechselbar italienische Atmosphäre - aber ohne Klischees von saftiger Pizza und schmachtenden Mandolinen.“