Hommage an Christoph Schlingensief – Die 120 Tage von Bottrop

Ort und Zeit
  • Fr, 19. Nov 2010, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 7,-/4,-
  • Film

Christoph Schlingensief, D 1997, Spielfilm, 60 min, OF, digital

Eine Hommage an Fassbinder und ein harter Schlag für die deutsche Filmkunst.
In den 12O TAGEN VON BOTTROP (1996) wendet sich Schlingensief von der (Anti-)Analyse typisch deutscher Krankheiten ab und setzt sich kritisch, mitunter auch boshaft, mit `seinem´ Medium - dem Film - auseinander.
Vordergründig ist es ein Film über die bloße Hektik, die hässliche Ökonomie des Filmemachens, ein Deutscher Tag als Pendant zu Truffauts Amerikanischer Nacht. Gleichzeitig ist es ein melancholischer Abgesang auf den deutschen Film der späten 60er und 70er Jahre, auf den sich Schlingensief immer berufen hat. Ein Abschied von gestern.
In einer Reihe von Anspielungen, Spitzen und Zitaten ist der Film auch ein Rückblick auf die deutsche Filmgeschichte als solche, der Schlingensief den zeitweiligen Anschein verpasst, dass sie keine Zukunft haben werde.
Die 12O TAGE VON BOTTROP sind erwartungsgemäß verwirrend - auch oder gerade für seine Figuren -, thematisch überladen, exzentrisch bis exzessiv, aber auch lustig. Ein Haufen ehemaliger Fassbinderakteure (Margit Carstensen, Irm Hermann, Kurt Raab, Volker Spengler) plant, den letzten neuen deutschen Film zu drehen - ein Remake des Skandalfilms Salo oder Die 120 Tage von Sodom von Pier Paolo Pasolini.
Von diesem Schlag wird sich die deutsche Filmkunst niemals erholen. (TIP Berlin)
Deconstructing Riefenstahl und Fassbinder: Die deutsche Krankheit Film, der Triumph des Willens zur Komödie, all das muss totgemacht werden. Einer musste diesen schmutzigen Job erledigen. Er hat es für uns getan. (taz)