Hommage an Christoph Schlingensief – 100 Jahre Adolf Hitler

Ort und Zeit
  • Di, 9. Nov 2010, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 7,-/4,-
  • Film

Deutschland-Trilogie 1. Teil

Regie: Christoph Schlingensief, D 1989, Spielfilm, 55 min, OF, digital
Darsteller: Udo Kier

Aus der Hand heraus wird das künstliche Licht in diesem Schwarzweißfilm gesetzt: Wie Suchscheinwerfer erfasst das grelle Weiß neun absurde Frauen und Männer. Menschen, die in nahezu autistischem Exzess ihre letzte Stunde feiern. Es ist die letzte Stunde im Führerbunker, die letzte Stunde überhaupt für jene Kreaturen. Ja, es ist Hitler, der sich verbarrikadiert hat, weil ja die Russen vor Berlin stehen. Doch der 60-minütige Countdown bis zum Filmende und bis zum Ende des Nationalsozialismus wird nicht historisch korrekt dokumentiert, so wie es einige verbissene Dramen in der Vergangenheit versuchten. Nein, hier ist Hitler kein Feldherr, kein Militarist, kein Reichskanzler und auch kein Politiker. Er ist der dem Wahnsinn verfallene, kleine Mann, einer Morphiumleiche gleichend. Er versucht sich in seinen letzten Minuten noch einmal der Kunst zu widmen: Setzt sich mit blankem Arsch in Farbe und drückt daraufhin mit seinem Allerwertesten einen Abdruck von diesem auf ein Stück Leinwand.
Gedreht wurde innerhalb von 16 Stunden an einem Stück voller Improvisation und in echter klaustrophobischer Umgebung.
Schlingensief trennt sein Hitler-Sujet vollkommen von jeglicher pädagogischen Aufklärungshysterie ab und fügt der historischen Figur etwas hinzu, das befreiend und entmystifizierend wirkt: Das Absurde. Aus Hitler wird eine Lachnummer, eine Selbstparodie. Hitler wird aber auch zu dem, was er wohl am wahrscheinlichsten war: Ein geistesgestörter Mensch.