Hommage an Christoph Schlingensief - Ausländer raus! Schlingensiefs Container

Ort und Zeit
  • Fr, 5. Nov 2010, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 7,-/4,-
  • Film

Regie: Paul Poet, A 2000/2001, Doku, 90 min, OF, digital

Darsteller: Luc Bondy, Daniel Cohn-Bendit, Einstürzende Neubauten, Sven Gächter, Familie Garzaner, Katharina Gruber, Gregor Gysi, Carl Hegemann, Elfriede Jelinek, Gabriele Kaiba, Claudia Kaloff, Dietrich Kuhlbrodt, Rainer Laux, Matthias Lilienthal, Paulus Manker


„Big Brother“ als sozialpolitische Satire. Menschenverachtung als Unterhaltung: Ein Abschiebecontainer für Asylanten, öffentlich, interaktiv betretbar und beeinflussbar. Ein Scheinstück, das „das neue Europa“ aufwiegelte, das „schwarze EU-Schaf“ Österreich im Besonderen. 
Deutschlands beliebter wie berüchtigter Regisseur Christoph Schlingensief stellte für die Festwochen ein zeitgemäßes Medien-KZ in Wiens beliebteste Touristenzone. Webfreetv.com, der größte Internet-TV-Anbieter im deutschsprachigen Raum, featurte dieses in der weltweiten Kultur- und Politikgeschichte einmalige Projekt.
Tausende Passanten erregten sich an der Oper vor Ort und wurden so zu Mitspielern. Annähernd eine Million beteiligte sich über das Internet. Die Folge: Schlagzeilen von der spanischen „El Pais“ bis zur türkischen „Hürriyet“. Hitzige politische Debatten. Eine Klageflut durch die im Stück angegriffene FPÖ und die „Kronen Zeitung“. Permanente Attacken durch rechte wie linke Gruppierungen von Computerhackern über versuchte Brandlegung bis zum wüsten Häusersturm durch eine Demonstration. 
Schlingensiefs Ziel war überdeutlich: Die Weltöffentlichkeit einem Test zu unterziehen, der sie mit der medialen Perversion eines „Big Brother“ UND mit der global verstärkt auftauchenden neuen Rechts-Lastigkeit konfrontierte. Die künstlerische Form des Happenings war dazu genauso wirksam wie die Platzierung in Österreich als dem Land, in dem als erstes seit dem 2. Weltkrieg eine extrem rechts stehende Partei an der Regierung beteiligt wurde. 
Der Dokumentarfilm soll das Geschehen selbst verdeutlichen, die dramaturgische Klammer vom ersten bis zum letzten Tag des Containers nachvollziehbar machen. Zu Wort kommen dabei in rückschauenden Kommentaren Gestalter, Freunde und Feinde des Stücks.