Nord

Ort und Zeit
  • Mi, 15. Sep 2010, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 7,-/4,-
  • Film

Filmreihe "Welche Krise?"

Regie: Rune Denstad Langlo, Norwegen 2009, 78 min, OF m. dt. UT
Mit Anders Baasmo Christiansen, Kyrre Hellum, Lotte Marte Aunemo

Die Winter im Norden Europas sind - wie man weiß - kalt, lang und dunkel. Und dass da einer, Jomar ist sein Name, einige Jahre nachdem seine Sportler-Karriere ein jähes Ende nahm und seine große Liebe ihn verließ, nicht groß mehr Freude am Leben hat, versteht man.
Dick und träge verbringt der Dreißigjährige seine Tage in „Nord“ mit Saufen, Rauchen und Fernsehgucken. Ist fast zu lethargisch seinen Pflichten als Pisten- und Skiliftwart nachzukommen, und am liebsten würde er in die Klinik zurückkehren, wo er die letzten Jahre verbrachte. Doch die Ärzte verwehren ihm diesen Wunsch. Eines Tages erhält Jomar Besuch: Wie der unverhofft aus dem Nichts auftauchende Lasse und Jomar ohne ein Wort zu verlieren aufeinander los gehen und sich verprügeln ist ziemlich herb - oder aber eben typisch männlich. Dann aber erfährt Jomar von Lasse - seinem, wie sich später herausstellt, bis er ihm die Frau ausspannte, besten Freund - dass er im Norden einen vierjährigen Sohn hat. Das reißt den eigenbrötlerischen Protagonisten dieses sich hübsch als „Antidepressives Off-Road-Movie“ ankündigenden Filmes soweit aus der Lethargie, dass er seine Bleibe in Flammen aufgehen lässt, einen Fünfliterkanister Selbstgebrannten packt und auf seinem Snowmobil querfeldein Richtung Norden lostuckert.
Großartig gefilmte, meilenweit unberührte, prächtige Schneelandschaften zuhauf bekommt man in „Nord“ in der Folge vorgeführt. Gleichwohl trifft der von Anders Baasmo Christiansen mit Verve gespielte Lonesome Zorro auf seinem Trip den einen oder anderen kauzigen Kerl, der ihn mit Lebensmitteln, -mut und -weisheit versorgt. Zunehmend zuversichtlicher wird er dabei und heiterer auch dieses klein-feine Regiedebüt des Norwegers Rune Denstad Langlo, das in seiner geradezu spektakulären Reduziertheit zu überzeugen vermag. (Irene Genhart, www.451.ch)