DEFA Filmreihe - Letztes Jahr Titanic

Ort und Zeit
  • Mi, 2. Dez 2009, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 7,-/4,-
  • Film

DEFA-Filme – zwischen Verbot und „Wende“

Regie: Andreas Voigt, D 1990/91, 101 min, OF
Drehbuch: Andres Voigt und Sebastian Richter

Diese Produktion ist die gedankliche Weiterführung der im Oktober 1989 begonnenen und auf dem Leipziger Festival Ende November 1989 uraufgeführten Dokumentation über die politischen Ereignisse im Herbst 1989 in Leipzig. Lebensgeschichten, Schicksale, Alltagsgeschichten in Leipzig - aufgenommen von Dezember 1989 bis Dezember 1990, im letzten Jahr der Deutschen Demokratischen Republik.
Wie erleben die Leute in Leipzig dieses Jahr? Wahlkämpfe und Wahlen, die D-Mark, das Reisen, die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit, schließlich das Ende der DDR, die deutsche Einheit.
Wolfgang, der Eisengießer war zweimal wegen "versuchter Republikflucht" im Gefängnis. Er wollte so schnell wie
möglich die Westmark und die Wiedervereinigung und gleich am Anfang des Jahres in den Westen. Jetzt, ein Jahr später ist er immer noch da und mittlerweile auf Kurzarbeit. Sylvia macht ihre Kneipe zu. Ihr Mann hat schon Arbeit in Bayern. Nach der Währungsunion geht auch sie. Renate, eine eigenwillige Journalistin spricht über ihre Kontakte zur Staatssicherheit, über Verantwortung und Schuld. Isabell ist vierzehn und Schülerin. Am Tag des neuen Geldes kommen ihr die Tränen. Für John den Redskin und Hausbesetzer, sind Faschos keine Menschen und Gewalt gegen sie der einzige Weg.
 

Vorfilm
Doku - Östliche Landschaft


Regie: Eduard Schreiber, D 1991, 13 min, OF
Der Osten ist zur Müllkippe geworden, auf der sich der Rest der Zivilisation finden, Fetzen von Briefen und Formularen, beschädigte Puppen, halb vermoderte Messer und Gabeln. Zeitungsblätter wirbeln durch die Luft. Eine Müllkippe im Norden Berlins. Soeben ist ein Staat beerdigt worden. Schnell noch entledigt er sich seiner Fahnen und seine Bürger lassen all den Hausrat und die Symbole, die an die Vergangenheit erinnern können, zurück. Ein alter Mann versucht noch ein paar Töne auf seinem Akkordeon, ein junger Mann wirft seine Kleider weg. Am Horizont kreisen die Raben.

 

DEFA-Filme – zwischen Verbot und „Wende“
DEFA-Filmreihe anlässlich 20 Jahre Mauerfall
 

Im November jährt sich der Mauerfall zum zwanzigsten Mal. Es war den DDR-Bürgern nun möglich geworden vom internationalen Menschenrecht auf Reisefreiheit Gebrauch zum machen. Die „deutsche Wende“ (Höhepunkt war die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten) veränderte auch die Produktionsbedingungen der volkseigenen DEFA-Filmstudios (Deutsche Film AG) der DDR mit Sitz in Potsdam-Babelsberg. Die DEFA sollte laut dem Anliegen ihrer Gründer „helfen, in Deutschland die Demokratie zu restaurieren, die deutschen Köpfe vom Faschismus zu befreien und auch zu sozialistischen Bürgern erziehen“. Nach der Wende wurde die DEFA 1992 von der Treuhandanstalt verkauft. Die Rechte am DEFA-Filmstock wurden 1998 der gemeinnützigen DEFA-Stiftung übertragen.
Zweimal taucht in unserer kleinen DEFA-Filmauswahl der Regisseur Frank Beyer (1932) auf. Mit „Spur der Steine“ drehte Beyer in den 60er Jahren einen der systemkritischsten Filme, gerade auch weil er SED-Mitglied war. Seine Wurzeln sind sozialdemokratisch und antifaschistisch. Der Film wurde, wie viele andere auch, auf die Verbotsliste gesetzt. „Der Verdacht“ ist Beyers letzter Film, der von ihm im DEFA-Studio für Spielfilme Babelsberg gedreht wurde. Symbolhaft steht der Film für das Ende des DDR-Filmschaffens. Es ist ein typischer „Wendefilm“ (Ende 80er/Anfang 90er), die noch im DEFA-Produktionskontext entstanden sind. Viele dieser Filme beschäftigen sich mit der Verarbeitung der DDR-Diktatur.