DEFA Filmreihe - Die Legende von Paul und Paula

Ort und Zeit
  • Di, 3. Nov 2009, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 7,-/4,-
  • Film

DEFA-Filme – zwischen Verbot und „Wende“

Regie: Heiner Carow, DDR 1973, 101 min, OF
Drehbuch: Heiner Carow, Ulrich Plenzdorf

Der Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, höchstpersönlich ließ es sich nicht nehmen, die Geschichte von Paul und Paula einer genauen Prüfung auf Linientreue zu unterziehen. Zusammen mit etlichen Funktionären des Parteiapparates und staatlicher Stellen beäugte er – neben 400 „normalen“ Bürgern der Deutschen Demokratischen Republik – Heiner Carows Machwerk. Carow berichtete später in einem Interview über das eisige Schweigen nach der Vorführung auf seiten der Nomenklatura und den frenetischen Beifall der übrigen Anwesenden. Obwohl der Film nur kurze Zeit zu sehen war und die DDR-Presse sich „eifrig“ über ihn ausschwieg, sahen ihn offenbar trotzdem Millionen Bürger der DDR. Inzwischen ist die „Legende“ selbst zur Legende - zu einem Kultfilm geworden.

Paula, allein erziehende Mutter zweier Kinder, lernt in einem Ostberliner Musiklokal den Staatsbeamten Paul kennen. Paul ist verheiratet, wird aber von seiner Frau betrogen. Die beiden verlieben sich ineinander. Während Paula bereit ist, für das gemeinsame Glück mit allen bürgerlichen Konventionen zu brechen, zögert Paul zunächst. Bis auch er erkennt, dass er in Paula seine große Liebe gefunden hat.

Aus heutiger Sicht erscheint die „Legende“ fast wie eine „normale“ und typische Liebesgeschichte der 70er Jahre. Vor dem Hintergrund der damaligen Situation in der DDR allerdings, war Carows Film – am Drehbuch war Ulrich Plenzdorf beteiligt – ein mehr als gewagtes Unternehmen. Carow erzählt, auf heitere, ironische und tragische Weise zugleich – letzteres insbesondere was den Schluss des Films betrifft – über den Versuch, Glück in einer Gesellschaft zu finden, die offensichtlich ganz andere Prioritäten der Konstituierung des Sozialen hatte als Glück. Insofern ist Carows Film zwar zugeschnitten auf die damalige DDR und die Zeitumstände, aber sicherlich thematisch nicht auf die stalinistisch verfassten Gesellschaften begrenzt.
 

Vorfilm
Doku - Östliche Landschaft


Regie: Eduard Schreiber, D 1991, 13 min, OF
Der Osten ist zur Müllkippe geworden, auf der sich der Rest der Zivilisation finden, Fetzen von Briefen und Formularen, beschädigte Puppen, halb vermoderte Messer und Gabeln. Zeitungsblätter wirbeln durch die Luft. Eine Müllkippe im Norden Berlins. Soeben ist ein Staat beerdigt worden. Schnell noch entledigt er sich seiner Fahnen und seine Bürger lassen all den Hausrat und die Symbole, die an die Vergangenheit erinnern können, zurück. Ein alter Mann versucht noch ein paar Töne auf seinem Akkordeon, ein junger Mann wirft seine Kleider weg. Am Horizont kreisen die Raben.

 

DEFA-Filme – zwischen Verbot und „Wende“
DEFA-Filmreihe anlässlich 20 Jahre Mauerfall
 

Im November jährt sich der Mauerfall zum zwanzigsten Mal. Es war den DDR-Bürgern nun möglich geworden vom internationalen Menschenrecht auf Reisefreiheit Gebrauch zum machen. Die „deutsche Wende“ (Höhepunkt war die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten) veränderte auch die Produktionsbedingungen der volkseigenen DEFA-Filmstudios (Deutsche Film AG) der DDR mit Sitz in Potsdam-Babelsberg. Die DEFA sollte laut dem Anliegen ihrer Gründer „helfen, in Deutschland die Demokratie zu restaurieren, die deutschen Köpfe vom Faschismus zu befreien und auch zu sozialistischen Bürgern erziehen“. Nach der Wende wurde die DEFA 1992 von der Treuhandanstalt verkauft. Die Rechte am DEFA-Filmstock wurden 1998 der gemeinnützigen DEFA-Stiftung übertragen.
Zweimal taucht in unserer kleinen DEFA-Filmauswahl der Regisseur Frank Beyer (1932) auf. Mit „Spur der Steine“ drehte Beyer in den 60er Jahren einen der systemkritischsten Filme, gerade auch weil er SED-Mitglied war. Seine Wurzeln sind sozialdemokratisch und antifaschistisch. Der Film wurde, wie viele andere auch, auf die Verbotsliste gesetzt. „Der Verdacht“ ist Beyers letzter Film, der von ihm im DEFA-Studio für Spielfilme Babelsberg gedreht wurde. Symbolhaft steht der Film für das Ende des DDR-Filmschaffens. Es ist ein typischer „Wendefilm“ (Ende 80er/Anfang 90er), die noch im DEFA-Produktionskontext entstanden sind. Viele dieser Filme beschäftigen sich mit der Verarbeitung der DDR-Diktatur.