Soap&Skin

Ort und Zeit
  • Sa, 7. Mär 2009, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 18,-/14,-

„Österreichs Next Wunderkind“ (TAZ) gibt nun endlich ihr Debut in Vorarlberg - als eines der großen Highlights in der Reihe Songs&Voices. Aus dem Nichts eines kleinen Dorfes in der Südsteiermark ist Anja Plaschg als SOAP&SKIN über Myspace lauffeuerartig bekannt geworden – der Release auf Shitkatapult, hohes Radio Air-Play in Österreich und darüber hinaus, internationale Shows, euphorische Presse, Performance- und Schauspieltätigkeiten folgten. „Gänsehautlieder, die leise, intim und atemberaubend schön sind“ (RKH Wien) und „Ihre Konzerte sind laufend ausverkauft, wo sie auf der Bühne steht, herrscht Stille, denn man möchte keinen Ton aus diesem Mund verpassen.“ (Michael Fouzailov), oder „Soap&Skin ist momentan vermutlich die radikalste, die leidenschaftlichste Pop-Rebellin seit Nico“ (BR Online) sind nur ein paar wenige, der hymnischen Pressekommentare, die über Anja Plaschg verfasst wurden. Wer die Ausnahmekünstlerin an Konzertflügel und Laptop live erleben möchte, sichert sich rechtzeitig Karten!

 

Keine der musikalischen Entdeckungen der letzten Jahre konnte so sehr erschüttern wie Soap&Skin aka Anja Plaschg. Geradezu schockierend ist die Vehemenz, mit der sich die erst 18 Jahre junge Künstlerin in ihre Kompositionen wirft und sich bis aufs Letzte von ihnen verzehren lässt. Dabei sind die 13 tief melancholischen Stücke aus Piano, klackernder Elektronik und dieser mal hauchenden, mal heulenden, aber immer unbeschreiblichen Stimme auf ihrem Debütalbum von so einer rasenden Schönheit und Anmut, dass man daran zerschellen möchte. Alles zerfällt, es gibt keinen Kitsch mehr, kein Pathos, keine jugendliche Todessehnsucht, sondern alles wird in der Musik von Soap&Skin ein- und aufgelöst. Wer Soap&Skin jemals live gesehen hat und erlebt, ja, erlitten hat, wie diese zierliche, wild entschlossene Person sich mit fiebrigem Blick ihrer Musik und dem Publikum ausliefert, mit halb erstickter Stimme flüsternd, um dann mit zurückgeworfenem Kopf zu heulen wie ein verletzter Wolf, umgeben von einer vibrierenden Totenstille aus Ehrfurcht, hat das Gefühl, einen historischen Moment miterlebt zu haben. Es gibt kein Zurück mehr für jemanden wie Anja Plaschg, und fast möchte man sie da rausnehmen, weil das, was sie macht, in seinen Dimensionen so unermesslich ist wie ein Eisberg, dessen tatsächliche Ausmaße man nicht einmal erahnen kann. Aber gleichzeitig ist so deutlich, dass sie, auch wenn man das Gequatsche von geborenen Künstlerinnen und Genies nicht ertragen kann, nicht drum rum kommt, sich immer weiter zu exponieren – sie muss.

They say I'm different – schon in ihrer Kindheit und Jugend im kleinen südsteirischen Dorf Gnas, in dem die Eltern einen Schweinemastbetrieb betreiben, eckt Plaschg als gefühlter Fremdling mit punkig zerrissenen Klamotten und nihilistischer Attitüde an. Die zunächst verhassten Klavierstunden werden mit dem Eintritt ins Teen Age auf einmal Lebenselixier – Anja übt bis zu zwölf Stunden am Tag und lernt zusätzlich Geige. Der ältere Bruder installiert ihr ein Soundprogramm am Computer, das sie sich in Eigenregie aneignet und zum Produzieren nutzt. Das künstlerische Gymnasium jedoch, das sie in der nächsten größeren Stadt Graz besucht, lähmt sie mit seinen Alltags-Lehrinhalten derart, dass sie beschließt, sich an der Wiener Akademie der Bildenden Künste zu bewerben. Zwei Professoren wollen die 16-Jährige haben, nach 3 Semestern beim antikonventionellen Maler Daniel Richter, bricht sie auch diese - erkannt als unzureichende Zwischenlösung – ab und wendet sich schließlich ganz der Musik zu.

Erste Stücke lädt sie 2005 auf ihrer MySpace-Seite hoch und verschickt sie an verschiedene Labels. Das Berliner Elektronik-Label Shitkatapult reagiert und veröffentlicht 2006 auf einer Mini-Compilation ihren Track „Mr. Gaunt PT 1000“ als Überraschungs-Outro.

Das erste Album von Soap&Skin verfolgt konsequent die von den bereits veröffentlichten Stücken vorgegebene Linie von Dramatik, Zerrissenheit und Melancholie. Die Wucht dieses Debüts liegt in seiner Paradoxalität: es ist ein Werk von unheimlicher Reife, das ohne seine jugendliche Ungezügeltheit und Getriebenheit nicht existieren könnte. Plaschg wirkt hier nicht wie ein Teenager der 00er Jahre, sondern wie eine durch die schroffen Spukwelten der viktorianischen Brontë-Sisters geisternde, rebellisch-schwermütige Heldin, die viel zu viel an Weltwissen auf ihrem schmalen Rücken buckelt. Auch wenn Parallelen zu Songwriterinnen wie Cat Power oder Scout Niblett, die in ähnlich gemarterter Weise zu Piano singen und von ihren Fans mit vergleichbarer Ehrfurcht empfangen werden, musikalisch näher liegen, lässt das sturmumtoste, grandiose Aufbrausen von Soap&Skins Kompositionen eher an die ebenso gespenstische Welt einer Kate Bush denken. Auch die debütierte bereits mit 16. Kate Bushs erster Erfolg war die musikalische Ode an die abgründige Gothic Love Story „Wuthering Heights“, verfasst von der Emily Brontë, als deren Romanprotagonistin man sich Anja Plaschg, die wiederum mit ihrer Vorliebe für Techno und Maschinen so gar nichts Gestriges hat, so gut vorstellen kann.


Soap&Skin ist schon jetzt in so vielen Dimensionen über Anja Plaschg hinausgewachsen.


Sonja Eismann
 

 

www.myspace.com/soapandskin