Zu Fuß nach Santiago di Compostela

Ort und Zeit
  • Mi, 1. Okt 2008, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 7,- / 4,-
  • Film

 

 

Regie: Bruno Moll, Schweiz 2007, 95 Minuten, OF, digital

"Das Weggehen war ein grosser Schritt. Und am Ende habe ich erkannt, alles so zu nehmen, wie es kommt. Man muss mit offenen Augen empfangen."
Roman Weishaupt

Vor zwanzig Jahren rief der Europäische Rat dazu auf, den legendären Jakobsweg wiederzubeleben. Das gelang in einem Masse, welches die Pilgerströme anschwellen liess wie Schmelzwasser. Viele Wege führen nach Rom und viele auch nach Santiago de Compostela, dem Ort, wo die Gebeine des Apostel Jakobus ruhen sollen. Die europäischen Routen, allein in der Schweiz gibt es ein halbes Dutzend, vereinigen sich irgendwo in den Pyrenäen und führen nach Nordspanien. Weil ihm nach der Uni nichts Besseres einfiel, nahm letztes Jahr auch einer aus der Schweiz die Beine untern Arm und marschierte los, einfach so, vom bündnerischen Degen nach Nordspanien. Er heisst nicht Hape Kerkeling (und landet keinen Buch-Bestseller), hat aber dasselbe Ziel: die Kathedrale von Santiago de Compostela: 2300 Kilometer liegen beim Abmarsch vor dem Bündner Roman Weishaupt, der sein Studium als Theaterpädagoge abgeschlossen hat und sich den Weg zum Ziel setzt. Doch der Rätoromane begibt sich nicht aus religiösen Gründen, sondern aus purer Lust und Laune auf den berühmten Jakobsweg.
Wandert via Wallis und Welschland Richtung Westen, nach Frankreich, in die Pyrenäen. Er findet unterwegs viel Zeit zum Philosophieren und Meditieren, durchlebt Momente der Besinnung und Erfahrungen. Doch warum tut sich das einer an - diese Blasen an den Füssen, die tägliche Suche nach einer Herberge, diesen Kulttourismus mit Jakobsmuschel und Pilgerpass?
Der Film von Bruno Moll beschreibt zwischen Reflexion und Realität oszillierend eine persönliche Erkundung und Wertschöpfung und zieht dabei die Zuschauer unaufdringlich mit ein. Man erlebt mit dem Protagonisten Frust und Freude, entdeckt unbekannte Orte, wird Zeuge alltäglicher Unzulänglichkeiten und diverser erheiternder Begegnungen mit Wanzen, Wirtsleuten und Pilgerpassanten; alles hautnah fotografiert vom Wanderer Weishaupt und von Filmemacher Bruno Moll, der seinen Protagonisten an 30 von insgesamt 80 Tagen begleitet. Wandererbilder reihen sich aneinander, verwandeln sich in einen Strom, der im Rhythmus des Wanderns, im Sog beschaulicher Beharrlichkeit zur Musse und Einkehr einlädt: wohltuende Impressionen gegen Hektik, Geschwätzigkeit und Flüchtigkeit.
Rolf Breiner
Bruno Moll

Geboren 1948 in Olten. Lehre als Maschinenzeichner. Ab 1972 Ausbildung zum Fotografen bei Achilles B. Weider in Zürich. Ab 1974 Arbeit als freier Fotograf, Kameraassistent und Kameramann. Seit 1978 als freier Autor und Filmemacher tätig. Realisiert seit 1984 auch Dokumentarfilme fürs Fernsehen.