Wagabuntfestival - „Barfuss Nackt Herz in der Hand“

Ort und Zeit
  • Fr, 4. Jul 2008, ab 21.00 Uhr
  • Eintritt: 14,-/7,-
  • Theater

Von Ali Jalaly. Ein Monolog des Gastarbeiters Ali.

Und dann ich gehe nach Hause.

Nicht mein Haus.

Mein Haus weg, spazieren gehen.

Weg.

 

Der Autor Ali Jalaly, aus Teheran stammend und der in Köln lebt, verarbeitet mit diesem Monolog eines türkischen Familienvaters den Brandanschlag von Solingen 1993, der gegen die Behausungen von Ausländern gerichtet war. Die Stärke dieses Stücks liegt darin, dass sich die Auseinandersetzung nicht auf eine bloße Sozialkritik beschränkt. Ali Jalaly geht tiefer und sein Stück weist über die Zeitaktualität hinaus. Die Attentäter sind Bestandteil einer gefühlsarmen Gesellschaft.

 

Ali Jalaly lässt seinen Hauptakteur „Ali Delir“ erzählen.

Ali klagt nicht an, er weint, tobt, lacht, ein Mensch voller Lebensfreude und Freundlichkeit und zutiefst verletzt.

Ein flirrendes Wortmaterial orientalischer Erzählkultur. Ein „leises Lied“.

 

Die Vergleiche zwischen deutsch und türkisch, christlich und islamisch,

Gott und Gott, sind amüsant und stimmen dennoch so nachdenklich, man wird allmählich Zeuge eines schlechten Traumes.

Das Theaterstück thematisiert das gewaltsame Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen, die so unversöhnlich sein wollen und so versöhnlich sein könnten.

 

Anpassungsneurosen, die Würde, die Tragik eines türkischen Gastarbeiters, dem das Haus weggebrannt worden ist, als er von seiner Müllfahrerschicht zurückkommt.

Groteske Erinnerungen an die Familie, die da gewohnt hat und seine Frau, die in der Gefahr nicht die richtigen deutschen Worte findet.

An den Kollegen, den er um der Heirat seiner Tochter willen der Beschneidung unterzog.

An seinen Sohn Hassan, dessen Asche er in einem Taschentuch mit sich herumträgt.

 

In „Barfuß Nackt Herz in der Hand“ schildert der Autor mit schwarzem Humor, wie ein Türke sich ein „neues Stück Heimat erschafft“.

 

Es spielt Robert Kahr. Inszenierung und Konzept Peter Langebner.