aktionstheater ensemble - Liebe

Ort und Zeit
  • Do, 6. Dez 2007, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 18,-/14,-
  • Theater



Inszenierung: Martin Gruber
Text: ausgesuchte Auswahl von Opernlibretti
Musik: Gerald Futscher
Bühne / Kostüme: Martin Platzgummer
Produktion: www.aktionstheater.at

Mit: Martina Ambach, Werner Landsgesell, Roswitha Soukup sowie Gerald Futscher und Benny Gleeson als Musiker.



Jede große Liebesgeschichte lebt letztlich von ihrer Unmöglichkeit.
Was uns in der Literatur, im Roman, in der Oper daran interessiert, ist die Idee der großen Liebe, die Suche nach ihr. Scheitern inklusive.
„Liebe“, ein Abend in dem sich Träume, Ängste, Lebenswut und Lebensfreude zu einem sehsuchtsvollen Liebesreigen verflechten. Es bleibt die Frage: Was ist so spannend an der Liebe  und der Sehnsucht danach. Wir wissen es - noch – nicht.

Nach einem längeren Themenfindungsprozess ist das aktionstheater ensemble zu dem Schluss gelangt, sich einem der „großen Gefühle“ zu widmen, nämlich der Liebe. Kommt man in Gesprächen mit Mitarbeitern und Interessierten  zu diesem Thema, so gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass mit Liebe meist nicht ein abstrakter Begriff assoziiert wird (etwa Selbstlosigkeit) sondern vielmehr ein Verlangen. Diskussionen drehen sich dann meist um verpatzte Chancen und unerfüllte Sehnsüchte. Mankos also.
Seit sich, frei nach Platon, der Kugelmensch geteilt hat, irren die beiden Hälften umher, ständig auf der Suche nacheinander, beseelt oder besessen vom Wunsch sich wieder zu vereinen.

Im Heute setzt hier in einem gut geölten kapitalistischen System die Werbung an, die hauptsächlich mit dem Topos der romantischen bzw. erotischen Liebe operiert. Die Mutterliebe etwa, kann höchstens für den Verkauf von besonders praktischen Windeln herhalten. Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, in einer Art pervertierter Umkehrung, für Versicherungen, will heißen: verlass dich im Alter lieber nicht auf deine Kinder und schließ eine Pensionsversicherung ab. 


Zur Inszenierung

Nach dem Vorhaben gerade in der Vorweihnachtszeit eine schöne schmachtende Liebesgeschichte zu erzählen, ist das aktionstheater ensemble nun beim Thema Sucht (nach Liebe) gelandet, oder, im idealsten Fall, bei der Sehnsucht.

Die Verkommerzialisierung – wie in der Einleitung bereits angedeutet – von glücklichen oder pseudoglücklichen Beziehungen soll, nach eingehender Bearbeitung in der Produktion „Glück“  nicht der einzige Fokus der aktuellen Arbeit sein.
Das aktionstheater ensemble beschäftigt sich nun also mit der Sucht nach Liebe, sozusagen mit dem pathologischen Liebesaspekt:
In einem manischen Text, Körper und Musikreigen (Komposition Gerald Futscher) sucht jede Figur nach der Erfüllung seiner eigenen (Liebes)Vorstellung und projiziert diese auf das jeweilige Gegenüber. Ungeachtet einer Reaktion des jeweils Anderen lebt jeder in seiner eigenen Geschichte und erfindet diese immer wieder neu.

Liebe dient hier der Kompensation, als Gegenpol zu einer durchrationalisierten Gesellschaft.  Liebe als Flucht.

 


Große Gefühle

Mit Pathosformeln aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“  retten sich die Protagonisten der Produktion „Gier nach Liebe“ in eine bessere Welt. Wagners Figuren sind die Apologeten einer totalen Liebe. Eine Liebe die nur im gemeinsamen Tod seine Erfüllung findet, finden kann.

Zwischentöne sind in Wagners Welt unerwünscht. Hier schließt sich der Kreis der aktionstheater ensemble Arbeit: Da die ersehnte Idee einer weichgespülten Romanze einer schönen neuen Werbewelt, dort die Idee der absoluten Liebe in der bürgerlichen Oper.

 


Finale

Und zuletzt darf nach einer manischen Suche nach einem Ideal, fern der Opernliteratur, irgendwo in einem kurzen pathosfreien Moment so etwas wie Zuneigung passieren.