Dokumentarfilm – Der unbekannte Soldat

Ort und Zeit
  • Di, 5. Jun 2007, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 6,-/3,-
  • Film


Regie: Michael Verhoeven, Deutschland 2006, 100 Min., DVD

 

Zu seinem Dokumentarfilm angeregt wurde Michael Verhoeven durch die zwei Ausstellungen über die Verbrechen der Wehrmacht. Die erste unter dem Titel »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 – 1944«, die von 1995 bis 1999 durch Deutschland und Österreich tourte, wurde von den Ausstellungsmachern überarbeitet und war in der modifizierten Fassung »Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 – 1944« von November 2001 bis März 2004 in Deutschland zu sehen.

Die "Wehrmachtsausstellung" war ein Tabubruch. Bis dahin hatte die deutsche Öffentlichkeit das Bild der "sauberen Wehrmacht" gepflegt. Und nun wurde sie plötzlich mit Fotos von Soldaten beim Mord an Zivilisten konfrontiert. 

Die Diskussionen über die Ausstellungen und die gegen sie gerichteten Aufmärsche der NPD inspirierten Verhoeven zu seiner Arbeit. Der Film wartet mit neuem Film- und Fotomaterial auf und interessiert sich dabei besonders für die privaten Fotos, die Soldaten nicht auf Befehl oder für Propagandazwecke aufnahmen. So demontiert Verhoeven den beliebten Mythos, der da besagt: »Wir mussten ja, sonst wären wir gleich erschossen worden!« Er zeigt auch den Handlungsspielraum an der Ostfront auf und gibt Beispiele von Soldaten, die sich weigerten, sich an Massakern an Zivilisten zu beteiligen, und die hierfür nicht bestraft wurden. In den heutigen Zeiten des Klagegesangs in Deutschland (»Wir haben auch gelitten!«) setzt Verhoeven einen nicht pauschal anklagenden, aber nachdenklich stimmenden Gegenakzent.