Christoph Ransmayr

Ort und Zeit
  • Mi, 18. Okt 2006, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: 8,-/3,-
  • Literatur

Buchpräsentation „Der fliegende Berg“, Roman (S. Fischer Verlag)


Einer der ganz Großen der deutschsprachigen Literatur beehrt zum aller ersten mal Dornbirn und stellt seinen neuen Roman vor. We proudly present: Christoph RANSMAYR!

»Der fliegende Berg« ist die Geschichte zweier Brüder, die von der Südwestküste Irlands in den Transhimalaya, nach dem Land Kham und in die Gebirge Osttibets aufbrechen, um dort, wider besseres (durch Satelliten und Computernavigation gestütztes) Wissen, einen noch unbestiegenen namenlosen Berg zu suchen, vielleicht den letzten Weißen Fleck der Weltkarte. Auf ihrer Suche begegnen die Brüder nicht nur der archaischen, mit chinesischen Besatzern und den Zwängen der Gegenwart im Krieg liegenden Welt der Nomaden, sondern auf sehr unterschiedliche Weise auch dem Tod. Nur einer der beiden kehrt aus den Bergen ans Meer und in ein Leben zurück, in dem er das Rätsel der Liebe als sein und seines verlorenen Bruders tatsächliches, lange verborgenes, niemals ganz zu vermessendes und niemals zu eroberndes Ziel zu begreifen beginnt. Verwandelt von der Erfahrung, ja der Entdeckung der Wirklichkeit, macht sich der Überlebende am Ende ein zweites Mal auf den Weg.

Mit diesem wunderbaren Buch kehrt Ransmayr zurück zu seinen ersten großen Romanen „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ oder „Die letzte Welt“. Es geht auch hier um die menschliche Suchen nach Zielen, deren Existenz noch nicht, bzw. nicht mehr, bzw. allen wissenschaftlicher Ausagen zum Trotz nicht, mit letzter Sicherheit angenommen werden kann. Im Verlauf der Suchen kommt es bei den Beteiligten zu tiefgreifenden existentiellen Veränderungen; die geltenden Kategorien von Raum und Zeit offenbaren sich in ihrer Relativität. Nebenbei erleben wir einzigartige Schilderungen der Gegenden, in der Ransmayr einige ausgiebige Wanderungen mit seinem Freund Reinhold Messner unternommen hat.

Christoph Ransmayr (* 1954 in Wels) studierte Philosophie und Ethnologie, arbeitete als Kultur- redakteur und freier Autor für verschiedene Zeitschriften (u.a.  ›Geo‹, ›TransAtlantik‹, ›Merian‹) und begann 1982 mit der in rhythmischer Prosa verfassten Erzählung »Strahlender Untergang« seinen Weg als freier Schriftsteller. 1984 erschien sein erster Roman »Die Schrecken des Eises und der Finsternis«, ein vielschichtiger, halbdokumentarischer Abenteuerroman, der die Journale der historischen k. u. k. Arktisexpedition von 1872-1874 mit dem Verschwinden eines fiktiven italienischen Eismeerfahrers der Gegenwart verknüpft. 1988 folgte mit »Die letzte Welt« ein Roman um den verbannten römischen Dichter Ovid, in dem an Schauplätzen in Rom und am Schwarzen Meer Antike, Gegenwart und Zukunft zu einer ›Allzeit‹ zusammenschließen und Wirklichkeit und literarische Schöpfung mineinander übergehen. »Die letzte Welt« wurde zum großen internationalen Erfolg. In den folgenden Jahren unternahm Ransmayr ausgedehnte Reisen, vor allem nach den Himalayaländern, Fernost und Lateinamerika und legte 1995 mit »Morbus Kitahara« einen Roman vor, der zu den meistdiskutierten Neuerscheinungen des Bücherherbstes gehörte und für den der Schriftsteller gemeinsam mit Salman Rushdie 1996 in Kopenhagen den Aristeion Literaturpreis der Europäischen Union erhielt. »Morbus Kitahara« führt den Namen einer pathologischen Verfinsterung des Blicks im Titel und erzählt entlang der Lebensläufe dreier Protagonisten von den inneren und äußeren Verwüstungen nach einem großen europäischen Krieg.

1997 erschien unter dem Titel »Der Weg nach Surabaya« eine Auswahl Kleiner Prosa und Reportagen Ransmayrs, die von der fernsten und von der nächstliegenden Fremde erzählt und dabei wie seine Romane immer auch an die »manchmal tröstliche, manchmal furchtbare Tatsache erinnert, daß, was ist, nicht bleiben kann.« 

„Wofür ich Ransmayr sehr schätze“, - schreibt Kollege Raoul Schrott – „sind seine Sätze. Sie stehen für sich, als wären sie gegen die Prosa angeschrieben, und sind, was selten ist, so genau gefügt wie Poesie. Es ist die einzig ehrliche Art des Schreibens; nicht angemaßt, sondern angemessen.“´

Selten schöpft einer so viel unerschöpfliche Ruhe und Übersicht aus seinem Nomadentum und seiner Reiselust!


Der Spielboden freut sich darauf, dass Christoph RANSMAYR seine Zelte für ein paar Stunden hier aufschlägt; lassen Sie sich dieses Erlebnis nicht entgehen, denn „den Geschichten dieses großen Erzählers zu folgen, bedeutet am Gipfel des Mount Everest die atlantische Brandung zu hören!“.