proFILE Jazzfestival - Städteprofil - Berlin in Dornbirn

Ort und Zeit
  • So, 1. Okt 2006, ab 20.00 Uhr
  • Eintritt: Festivalpass für drei Tage: € 49,-/40,- ermäßigt; Tageskarten: € 22,-/17,- ermäßigt

Städteprofil - Berlin in Dornbirn

Die ausgefallene Konzeption des proFILE Jazz Festival ist bei Publikum und Fachpresse auf äußerst positive Resonanz gestoßen. Bislang war jeder Abend einer herausragenden Musikerpersönlichkeit gewidmet, deren vielschichte Aktivitäten von verschiedenen Perspektiven her beleuchtet werden. Zu solchen Ehren kamen bisher Wolfgang Muthspiel, Lucas Niggli, Wolfgang Puschnig und Nils Wogram. Heuer werden sich nun der unglaublich virtuose russische Hornist Arkady Shilkloper und der grandiose Saxophonist und Jazz-Preisträger 2005 Harry Sokal mit jeweils drei ihrer wichtigsten und aktuellsten Bandprojekte präsentieren.
Neu ist nun die Verlängerung des Festivals um einen dritten Tag, wobei dieser nicht einem Musiker gewidmet ist, sondern ein kleines musikalisches Städteprofil beinhalten soll: Heuer wird dies Berlin sein.


Sonntag, 1.10. proFILE Festival, 20 Uhr

Die deutsche Hauptstadt ist auch in Sachen Jazz eine Weltmetropole, in der sich Dutzende Bands und hunderte Musiker tummeln. Hier eine Auswahl von drei Bands zu treffen, bedeutete vor allem eines – die Qual der Wahl. Allerdings gibt es – wie überall – Fixpunkte, und in Berlin heißt der wichtigste Alexander von Schlippenbach. Der brillante Pianist, Komponist und Orchesterchef war bei vielen epochalen Meilensteinen des 60er Jahre Free-Jazz dabei und hat ab 1966 mit seinem "Globe Unity Orchestra" und zahlreichen kleineren Formationen selbst Jazzgeschichte geschrieben. Bereits 1978 wurde Schlippenbach mit dem Kunstpreis der Stadt Berlin ausgezeichnet. In jüngster Zeit hat er mit „Monk’s Casino“ großes Aufsehen erregt ,weil er mit einem herausragenden Quintett das 70 Titel umfassende Gesamtwerk von Thelonius Monk auf höchst originelle Weise neu interpretiert und für das Züricher Intakt-Labe auf drei CDs live aufgenommen hat. Dieses Projekt wird Schlippenbach – natürlich auszugsweise – in Dornbirn präsentieren.

Alexander von Schlippenbach leitet gemeinsam mit seiner Frau Aki Takase das "Berlin Contemporary Jazz Orchstra". Die aus Japan stammende Pianistin ist eine gleichermaßen fulminante Technikerin und musikalische Querdenkerin, begeisterte in den vergangenen Jahren mit unkonventionellen Fats Waller- und W.C.-Handy-Projekten und bringt nach Dornbirn ihre zukunftweisende, hochexplosive Band "Aki and the Good Boys" mit. Sowohl im Monk-Projekt als auch bei den "Good Boys" spielt übrigens ein weiterer Fixpunkt der Berliner Szene mit, der grandiose Bassklarinettist Ruhi Mahall.

Die vier Improvisatoren Conrad Bauer (Posaune), Ulrich Gumpert (Piano), Ernst-Ludwig Petrowsky (Sax, Flöte, Klarinette) und Günter "Baby" Sommer (Drums) hatten sich unter dem Namen "Synopsis" schon einen hervorragenden Ruf erspielt, als sie sich im Orwell-Jahr 1984 in "Zentralquartett" umbenannten, um sich über die DDR-Apparatschiks aus dem Zentralkomitee und der Zentralagentur lustig zu machen. Der Sinn für Ironie und unorthodoxe musikalische Experimente ist diesen vier Ikonen des Ostberliner Jazz nicht abhanden gekommen. So veröffentlichten sie, ebenfalls bei Intakt Records, zuletzt "11 Songs – aus teutschen Landen", eine grandiose Ansammlung herrlich schräg arrangierter alter deutscher Volkslieder



Monk's Casino
Alexander von Schlippenbach – piano
Axel Dörner – tp
Rudi Mahall – bcl
Jan  Roder – bass
Uli Jeneßen - dr

Foto: www.fotodienst-mitte.de


Aki and The Good Boys
Aki Takase - piano
Rudi Mahall - bcl
Walter Gauchel - sax, fl
Johannes Fink - bs
Heinz Köbberling - dr

Foto: www.fotodienst-mitte.de


Zentralquartett
Conrad Bauer  - tb
Ulrich Gumpert - p
Ernst-Ludwig Petrowsky - a-sax, fl, cl
Günter Sommer - dr, perc, mouth harp