Isolation Berlin

Ort und Zeit
  • Mi, 23. Jan 2019, ab 21.00 Uhr
  • Eintritt: VVK 16,- (zzgl. VVK-Gebühr) / AK 19,-
  • Großer Saal
  • Konzert

Eindruck bei meiner ersten Begegnung mit der Band: Sehr selten treffe ich jemanden, der sich den eigenen Bandnamen mit Tipp-Ex auf die schwarze Lederjacke schreibt, so wie Tobias Bamborschke, Sänger, Gitarrist und Songwriter. Das fand ich prompt gut, eine Geste, die nicht nur an Punk-Ikonographie andockt, an das Sich-Trauen (sowohl, sich die Jacke zu besudeln als auch, die eigene Band ohne jegliches Understatement abzufeiern), sondern auch eine Geste, die das Naive und Abgeklärte enthält, was Rock&Roll in all seinen gelungenen Inkarnationen so aufregend macht, diese besondere Mischung aus verspielter Unschuld (im Sinne von: rein, nicht korrumpiert, nicht zynisch) und Bescheid-Wissen (im Sinne von: cool, es kapiert haben).

In der bisherigen Berichterstattung über Isolation Berlin wurde in einhellig begeistertem Ton geschrieben – völlig zurecht, weil man kein Raketenwissenschaftler oder Industrie-Insider sein muss (und was wissen die schon, siehe oben) um zu ahnen, welche Wellen diese tolle Band mit ihrem tollen Album schlagen wird. Beim Versuch ihren Sound zu beschreiben, werden allerdings häufig ähnliche und naheliegende Vergleiche bemüht, die meistens zu kurz greifen und auch übersehen, welche Bandbreite die Band beherrscht. Ohne Widerspruch und ohne wie eine Pastiche cooler Pop-Styles zu wirken, gleiten sie musikalisch von 60s-Beat-Chansons (denke: die junge Francoise Hardy) über psychotischen Noiserock (denke: Sonic Youth, Jesus Lizard) zurück in fast volksliedhafte Balladen (dass das in echt sehr viel berührender kommt, als es aufgeschrieben klingt, prüfen Sie bitte anhand des Song „Herz aus Stein“). Im Text streifen sie die für Pop zwar gängigen Themen (Liebe, Exzess, Verlust, Wahn, Stadt usw), schaffen dabei aber ebenfalls spielerisch den Dreh, so aufrichtig zu sein dass sie nie ins Klischee oder Altbekannte abgleiten, und so humorvoll, dass sie nie naiv wirken.

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Video-Playlist: Isolation Berlin

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