Der Nino aus Wien + Sir Tralala

Ort und Zeit
  • Sa, 26. Jan 2019, ab 21.00 Uhr
  • Eintritt: VVK 19,– (zzgl. VVK-Gebühren) / AK 22,–
  • Großer Saal
  • Konzert

Wenn man nach so vielen Alben eines selbstbetitelt, dann muss es etwas Besonderes sein. Album Nummer 10, 10 Jahre Der Nino aus Wien, es ist ein großes Jubiläum. Nicht viele haben vor 10 Jahren dem heute als Bob Dylan vom Praterstern (mittlerweile Neo-Simmeringer) geadelten Musiker eine derart langlebige und fruchtbare Karriere zugetraut. Trotzdem ist Der Nino aus Wien voll mit dem typischen Pragmatismus des Vollblutmusikers Nino aus Wien. Ich wollte meine Zeit lieber ins Songwriting investieren als über einen Titel nachzudenken, meint er etwa über die Namensgebung. So ist das Jubiläumsalbum so wie alle in seinem Katalog: voll mit guten Songs, diesmal geschrieben in München, Zürich, Locarno und Wien, wieder aufgenommen mit Wanda-Produzent Paul Gallister im zweiten Wiener Gemeindebezirk, dem er trotz Umzug nicht ganz entkommen kann. Neben Paul Gallister, der auch als Musiker auf dem Album zu hören ist, wirkten noch Natalie Ofenböck, das Ensemble Franui und die Ninoband (pauT, Raphael Sas, David Wukitsevits), die ihr 9jähriges Jubiläum feiert, mit.

Der Nino aus Wien ist wahrscheinlich das persönlichste Album in Ninos Karriere, gleichzeitig aber das mehrdeutigste. Die Texte erschließen sich vielleicht erst nach mehrmaligem Hören, vielleicht auch gar nicht. Wach (vielleicht das beste lange Lied das ich je geschrieben habe – Nino) ist ein Tourtagebuch, das wohl nur er selbst gänzlich verstehen kann. Unentschieden gegen Ried ist ein Protestlied gegen das mäßige Niveau in den österreichischen Fußball-Profiligen. Wer ist der Ärgste? wurde in Zürich auf einer Sauftour mit SRF 1-Showmaster Dominik Deville geschrieben. Hirschstettner Lebensart ist eine Liebeserklärung an diesen Teil der Donaustadt (22. Wiener Gemeindebezirk). Der Nino aus Wien ist Ninos mit 20 Jahren verstorbenen Katze Lola gewidmet. RIP.

2008 erschien Der Nino aus Wiens damals noch akustisches Singer-Songwriter-Debüt-Werk The Ocelot Show zu einer Zeit als es wirklich nichts gab, das man damit vergleichen konnte. Österreich war zuvor jahrelanges Sperrgebiet für intelligenten Pop (elektronische Musik ausgenommen) gewesen. Danach ging es Schlag auf Schlag: eine Band formierte sich hinter Nino, die bereits 2009 mit dem Hit Du Oasch und dem dazugehörenden Album Down in Albern in die erste Liga der österreichischen Indie-Welt aufstieg. Kurz darauf gab es die ersten Nominierungen für den Amadeus Austrian Music Award, denen noch viele weitere folgen sollten. Das 2011 folgende Album Schwunder war dann auch nicht zufällig sein erstes Album welches es in die österreichischen Verkaufscharts schaffte. Jedes danach sollte es Schwundergleichtun. 2012 war das Bulbureal, 2014 waren es gleich zwei: das ruhige, introspektive Bäume sowie das elektrische, weird-durchgeknallte Träume. 2015 entstand Unser Österreich, eine Kollaboration mit Ernst Molden. Am Ende desselben Jahres folgte seine Werkschau Immer noch besser als Spinat und 2016 seine erste EP mit Adria. Im gleichen Jahr hat er schlussendlich, nach etlichen Anläufen, auch seinen Amadeus Award bekommen und gemeinsam mit Natalie Ofenböck Das grüne Album veröffentlicht, das der Steiermark gewidmet war. Im April 2017 erschien Der Nino aus Wiens neuntes Album Wach.

Support: Sir Tralala

Sir Tralala bringt nun im Herbst 2018 sein opus magnum heraus: „Echt Gute Böse Lieder“. Abstruse Liebesballaden, Außenseiter-Hymnen, Familiendrama-Begleitmusik und Song-Kleinode über weltumspannende Arschlöcher stehen da zur Verkostung parat, auch Tod und Teufel bekommen den ihnen zustehenden  Raum und Rang. Kompositorisch greift Sir Tralala in die Vollen: US-Traditionals reiben sich an artifiziellen Western-Soundtracks, eine (von Jörg Gaisbauer eingespielte) einsame Pedal Steel-Gitarre prallt auf eine Wand pompöser Orchester-Arrangements, letztlich kommt sogar Dub Step und mongolische Obertongesänge ins Spiel. Referenzen sind etwa Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“, frühe Alben von Tom Waits, aber auch Spätwerke von Moondog, Roy Harper, Georg Kreisler und Franz Bilik. Das sogenannte Neue Wienerlied darf, pardon!, ein bissl scheißen gehen.

Kurzum: „Echt Gute Böse Lieder“ ist eine Gnackwatsch’n im Namen des Humanismus. Es handelt sich um ein Themenalbum in deutscher Sprache, teils Wienerischem Dialekt. Jahrelang aufgesogene Bösartigkeiten werden in Liedform komprimiert und leiten als paradoxe Spiegelbilder den Hörer an der Hand zurück in die Menschlichkeit.

Für diese Veranstaltung kann nicht reserviert werden - Tickets gibt es im Vorverkauf!

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Video-Playlist: Der Nino aus Wien + Sir Tralala

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