Jazz&: Hang em High – Tres Testosterones

Ort und Zeit
  • Do, 12. Okt 2017, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: VVK 19,- (zzgl.VVK-Gebühren) | AK 22,-
  • Großer Saal
  • Konzert

Lucien Dubuis (bass- &contrabass clarinette)
Bond (2 string slide bass + electronics)
Alfred Vogel (drums)

“Hang Em High gelingt es auch mit ihrem dritten Album, einen verbindlich wohltuenden Kontrapunkt zum oft viel zu verkopften Jazzalltag zu setzen.” (Wolf Kampmann JAZZTHETIK)

Selbstbewusst scheint das Statement der drei Musiker aus der Schweiz, Polen und Österreich nun schon seit 4 Jahren allemal, und spätestens mit ihrem dritten Werk ist klar, dass es diesen Herren garantiert nicht an Testosteron fehlt. Doch Vorsicht, sollte man von diesem vorangekündigten Hormonüberschuss auf drei Macho-Musiker schliessen!
Wenn man die Band auf einem ihrer Konzerte in Wroclaw (wo sie das Licht der Welt erblickte), New York, Budapest, Saalfelden oder etwa letztes Jahr in Lissabon live erlebt hat, dann wird einem rasch klar, dass es sich hier um drei Ausnahmemusiker handelt, die keine Kompromisse eingehen und die von sich selbst behaupten, man könne sich ihrem Charme kaum entziehen. Das alles ist natürlich mit einem heftigen Augenzwinkern zu verstehen.
Doch fangen wir von vorne an: Bond ist ein Tieftöner, der mit seinen Low-End Modulationen und den von ihm veranstalteten Eklekktik Sessions in Wroclaw seit ein paar Jahren für nachhaltiges Beeindrucken sorgt, sei es, was seine Gäste anbelangt wie z.b. Nils Petter Molvaer, Jan Bang, Eivind Aarset oder etwa Roli Mosimann. Andererseits sind seine Projekte und Ideen immer von monumentalem Inhalt angereichert. Er bespielt nicht nur die grössten Hallen in seiner Heimat, nein, es kommt auch vor, dass er locker mal 120 Künstler delegiert (ein Symphonie-Orchester, eine Video Crew und seine Band HANG EM HIGH – so geschehen 2015 beim Opening des NFMC in Wroclaw, einer Philharmonie, die jedenfalls noch vor jener in Hamburg fertiggestellt wurde und nicht minder glänzt).
Und so kam es bereits vor 4 Jahren zu einem ersten Aufeinandertreffen mit seinen zwei Kollegen aus den Alpenländern, aber eben in Polen. „A Tribute to Morphine“ war damals das Thema dieser Eklekktik Session – Morphine, nicht das Rauschmittel, sondern die legendäre Bostoner Band aus den 90ern war gemeint, als sich Rock und Pop mit vielen Stilen zu paaren begann – Crossover nannte man das damals noch. Mark Sandmann, Sänger und Bassist dieser Band, verstorben auf der Bühne während eines Live-Auftritts, hat den 2saitigen Slide Bass in die Wohnzimmer einer hippen Gefolgschaft von den USA bis nach Europa gebracht, und eben auch nach Polen.
In jener Nacht (die auch auf YouTube schön dokumentiert ist) fanden auch die drei Testosterones, um die es hier geht, glücklicherweise zusammen. Sie behaupten von sich, dass sie zu den wenigen Bands gehören, bei der keiner der mitwirkenden Individuen ausgetauscht werden kann. Und dass man sie eben nur im Verbund voll und ganz auf ihrem kreativen Höhenflug erfassen kann.
In der Tat scheint diese Band ein gemeinsames Steckenpferd zu sein, in der sie sich zu persönlichen Höchstleistungen stimulieren. Lucien Dubuis, heisst es, sei eine genetische Vermischung der Chromosomen eines John Coltrane und der Beastie Boys. Wer ihn hier hört, hat keine Zweifel daran. Zwar wurde er einer spitzfindigen Hörerschaft schon vor ein paar Jahren durch seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Marc Ribot bekannt, doch bei HANG EM HIGH schöpft der Freigeist und Querdenker vom Boden seiner Zauberkiste und trällert und trötet wie ein von bewusstseinserweiternden Substanzen gedopter Frosch.
Und Alfred Vogel, Produktivkraft der österreichischen Szene, hat diese Band ja schon einmal auf seinem viel beachteten Werk „Vogelperspektive“ kurz vorgestellt. Dass seine Stärke wohl in der Kombination aus Finesse, Freiheit und der Power eines Rockdrummers liegt, haben mittlerweile nicht nur so klingende Namen wie Peter Evans, Barry Guy oder etwa Mats Gustafsson festgestellt. Dieser Mann hält viele Fäden zusammen, von dem Bezau Beatz Festival bis zu seinem Label Boomslang Records. Und mit seinem Gespür für Abstraktes aber auch den zementierten Beat fuhrwerkt er bei HANG EM HIGH in ganz besonderer Manier. „Diese Band bringt für mich alles zum Ausdruck, was ich an Musik so liebe: von Led Zeppelin über Ornette Coleman bis zu Schostakowitsch … und würde uns David Lynch live hören – wir wären sein nächster Soundtrack“, so ein über den Dingen schwebender Vogel.

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