SoundsNoise Festival - Pendler

Ort und Zeit
  • Sa, 13. Sep 2008, ab 20.30 Uhr
  • Eintritt: Konzert Pendler und Gustav um 20.30 Uhr: 16,-/12,- Festivalpass 35,-/25,-


Zurückhaltend pulsierend schmiegt sich eine Gitarrenminiatur heran,
bahnt sich ihren Weg durch warme Feedbackflächen und zittrige Drones, ufert aus und zieht sich wieder zusammen. Flankiert wird sie dabei von dezenten Orgelharmonien und einer Stimme, die uns willkommen heißt und den 40-minütigen Reigen durch das Erstlingswerk von „pendler“ eröffnet - „you  come to me“.

... es geht um die musikalische Transfomation vormals klassischen Instrumentariums und traditioneller Strukturen in den eigenen Mikrokosmos, geprägt von Herstellung von Ambivalenzen und Unschärfen, respektive auch den Umgang mit Versatzstücken (pop)kultureller Erbschaften.

pendler.klingt.org
 
pendler
 
 

Festival SoundsNoise

discover music outside the mainstream
vom 11. - 13. September 2008


kuratiert von Thomas Gorbach und Andreas Haim

Experimentelles, Avantgardistisches, Schräges und Extremes aus der Welt der Musik braucht Raum. Diesen Raum schafft der Spielboden.
Das erste SOUNDSNOISE -Festival am Spielboden Dornbirn präsentiert ausgesuchte Höhepunkte der aktuellen österreichischen Elektro-Szene.
Mit THE ELECTROACOUSTIC PROJECT von Thomas Gorbach wird das erste österreichische Lautsprecherorchester – das BANALE ORCHESTER - aus der Taufe gehoben; klangvoll, farbig, einzigartig. Hier gelangen mehrere Werke dreier Komponisten zur Aufführung. Unter dem Titel KNACKPUNKT NULL bringen wir im Foyer eine von Gorbach eigens geschaffene Klanginstallation zu Gehör.
Mit dem REACTABLE und dem THEREMIN stellen wir zwei der populärsten elektronischen Musikinstrumente vor. Sie stehen zum Experimentieren und Ausprobieren bereit. Der REACTABLE ist auch konzertant zu hören.
Die elektroniklastige Formation FUCKHEAD rockt heftig und zeigt ihre legendären Performancequalitäten. GUSTAV präsentiert in einem Soloact ihr Album „Verlass die Stadt“ und die Vorarlberger PENDLER eröffnen den letzten Abend mit ihrem sanften Erstling „you come to me“. Abgerundet wird das Programm mit einem interaktiv agierenden DJ, einem Vertreter der jungen österreichischen DEMOSZENE und DJ HOWDY jeweils in der Kantine.

SOUNDSNOISE - ein Festival für neugierige und offene Menschen jeden Alters.



Programm:

Do 11.    18.00 Uhr    Eröffnung Klanginstallation - Knackpunkt Null

             20.30 Uhr     the electroacoustic project & das Banale Orchester

             23.00 Uhr    DJ_MotionX

Fr 12.     16.00-19.00 Uhr    Günther Geiger - Reactable zum Ausprobieren 

             16.00-20.00 Uhr    Günther Gessert - Elektronik zum Ausprobieren 

             20.30 Uhr    Konzert Reactable von Günther Geiger 

             22.00 Uhr    fuckhead    

             23.00 Uhr    DemoSzene & Paralax^Speckdrumm

Sa 13.    16.00-20.00 Uhr    Günther Gessert - Elektronik zum Ausprobieren 

             20.30 Uhr    Pendler   

             22.00 Uhr    Gustav   

             23.00 Uhr    DJ_Howdy 




Pendler



Zurückhaltend pulsierend schmiegt sich eine Gitarrenminiatur heran, bahnt sich ihren Weg durch warme Feedbackflächen und zittrige Drones, ufert aus und zieht sich wieder zusammen. Flankiert wird sie dabei von dezenten Orgelharmonien und einer Stimme, die uns willkommen heißt und den 40-minütigen reigen durch das Erstlingswerk von PENDLER eröffnet.

"You come to me ..."

Für die Fertigstellung des ebenso lautenden Albums haben sich die Musikerinnen Sabine Marte, ihres Zeichens auch feministische Video- und Performancekünstlerin (u.a. „SV DAMENKRAFT“), Markus Marte, Gitarrist, Sänger und Scapewriter und Oliver Stotz („ground/lift“, „Le Charmant Rouge“) viel Zeit genommen.
 
Bedingt war dieser Umstand durch die größere räumliche Distanz, der die Band im Entstehungszeitraum von „you come to me“ ausgesetzt war, was das arbeiten zwar nicht unbedingt erleichtert, bestimmt aber geprägt und sich letzten endes sogar als namensgebend für dieses neue Mitglied der Wiener Karate Joe Familie entpuppt hat.

Doch „pendler“ steht nicht nur für das physische Überwinden von Wegstrecken, es geht um die musikalische Transformation vormals klassischen Instrumentariums und traditioneller Strukturen in den eigenen Mikrokosmos, geprägt von digitalen ver- und bearbeitungen des Ausgangsmaterials und der Herstellung von Ambivalenzen und Unschärfen, respektive auch den Umgang mit Versatzstücken (pop)kultureller Erbschaften. So wird beispielsweise im Song "Good Job", dem der (N)evergreen „Proud Mary“ zugrundeliegt, das pseudobefreiendes Aufbruchsmoment des Originals abgezogen und folglich derart zerbröselt, dass plötzlich der Aspekt von „Left a good job in the city“
als Statement tiefer Verzweiflung und Desperation ins Zentrum rückt.

Doch derartige inhaltliche Entblößungen und Verzerrungen sind nur der eine Teil im Schaffen von PENDLER. Nicht selten passieren solche Zersägungen unter humoristischer Prämisse, auch wenn „es wohl eher der Humor eines Buster Keaton oder des Charlie Chaplin von “Monsieur Verdoux” als bloß die primär spielerische Freude an der Dekonstruktion der Gattung Song ist. Mit solchen Referenzen weist die Band auch schon auf die Wichtigkeit der visuellen Komponente in ihrem Schaffen hin.

Live wird die Leinwand zum erweiterten Handlungsort und zur Schnittstelle, an der sich die Stücke mit synchronisierten Clips reiben, verschmelzen und gegenseitig tragen. So bleibt die Musik von PENDLER, bei aller Nähe zu Pop, in einer Unschärfe zwischen Song und Soundtrack, Lo-Fi Americana und psychedelectronic soundscapes, gezielt Gesagtem und bewußt Verschwiegenem. Und gerade dieses unberechenbare  “Zwischen den Stühlen” ist es letztendlich, das dieses Kleinod weit über den Moment, an dem der absurd quirlige Rausschmeisser “schrei-ben" den Vorhang zu zieht, hinaus glänzen lässt.

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